Innovationspreis

Seit seiner Einführung im Jahr 2008 prämiert der Innovationspreis des Privatbahn Magazins alle zwei Jahre im Nachgang der Branchenmesse Innotrans richtungsweisende bahntechnische Innovationen in den vier Kategorien Schienenfahrzeuge, Komponenten und Ausrüstung, Fahrweg und Infrastruktur sowie Energie und Umwelt. Die Wahl der Gewinner erfolgt durch eine Jury von namhaften Vertretern aus Wissenschaft, Bahnindustrie und Eisenbahnverkehrsunternehmen.

                                            

Der mittlerweile sechste Innovationspreis wird am 02.04.2019 im Rahmen der Hannover-Messe verliehen.

Die Nominierten des Innovationspreises 2018/2019 sind:

Alstom: Prima H4 Lokomotive

Die Lokomotive Prima H4 ist als umweltfreundliche Lokomotive Entwickelt auf einer modularen Plattform, bringt sie mehrere Optionen zur Energieversorgung mit, um sich allen Betriebsanforderungen anzupassen. Die Prima H4 weist einen erheblich reduzierten Lärm- und CO2-Ausstoß auf. Dabei verfügt sie über eine Zugkraft ab 300 kN und kann eine Geschwindigkeit von bis zu 120 km/h erreichen. Die Bauweise der Lokomotive ermöglicht niedrige Wartungskosten und hohe Betriebsleistungen.


Siemens/Stadler: BR 484

Die Siemens/Stadler BR 484 ist ein elektrischer Triebzug für den Stromschienenbetrieb bei der S-Bahn Berlin . Es handelt sich um  einen Halbzug mit durchgängiger 4-Wagen-Einheit. Der Zug verfügt über eine hoch redundante Antriebsanlage, denn in jedem Wagen befindet sich eine eigenständige Antriebsgruppe. Er überzeugt außerdem durch eine deutlich gesenkte Geräuschentwicklung, vergrößerte Mehrzweckbereiche mit Stellflächen für Kinderwagen und Fahrräder sowie seine Barrierefreiheit.


Stadler: EURODUAL

Die EURODUAL von Stadler bietet maximale Energieeffizienz, Leistung und Zuverlässigkeit. Die leistungsstarke Lokomotive ist dafür ausgelegt, die europäischen Korridore mit hoher Geschwindigkeit zu passieren. Die EURODUAL verfügt über eine sehr hohe Zugkraft von bis zu 500 kN. Damit bietet sie die größte Schleppkapazität auf dem europäischen Markt. 97.71 Prozent der Bestandteile dieser Lok sind recyclingfähig. Ebenfalls verhältnismäßig gering sind der Lärm- und Abgasausstoß.

Nominiert für den Innovationspreis des Privatbahn Magazins 2018/2019: Die EURODUAL Lok von Stadler.


ÖBB/Siemans: City Jet Eco

ÖBB und Siemens entwickeln in diesem Pilotprojekt gemeinsam einen umweltfreundlichen Zug mit elektro-hybridem Batterieantrieb. Er soll im Betrieb bis zu 50% weniger CO2 ausstoßen. Als Akkutriebzug kann er auf nicht-elektrifizierten Bahnstrecken eingesetzt werden. Der City Jet Eco ist damit eine klimaschonende Alternative für Strecken abseits der Hauptverkehrsrouten, die heute größtenteils mit dieselbetriebenen Personenzügen befahren werden.


ÖBB/Rail Cargo Group/voestalpine: Plattformwagen TransANT

Bei diesem modular einsetzbaren Wagen mit unterschiedlichen Aufbauten in Leichtbauweise wurde erstmalig im Güterwaggonbau die sogenannte Topologieoptimierung eingesetzt, eine bisher im Automobil- und Luftfahrzeugbau angewandte Technologie. Sie errechnet mittels Software-Algorithmus anhand vorher festgelegter Parameter selbstständig einen Designvorschlag. Das Ergebnis ist eine Konstruktion, die minimales Gewicht mit maximaler Festigkeit vereint. Nach Herstellerangaben ermöglicht der Gewichtsvorteil (rund 20 Prozent) mehr Zuladung durch höhere Nutzlast, geringere Traktionskosten durch Einsparungen bei Energie und Trassenentgelten sowie Einsparungen bei den Herstellungskosten

Molinari Rail AG/Railcare AG: rCE Powerpack

Das rCE-Powerpack ermöglicht, Lebensmittel sowie andere Güter beim Bahntransport mit kinetischer Energie anstatt mit Treibstoff zu kühlen oder zu temperieren. Die Energie entsteht direkt beim Fahren des Zuges und reduziert den Ausstoss von CO2 um 75%. Das rCE-Powerpack besteht aus einem Adapterrahmen in dem das komplette Energieversorgungssystem (Akkus, Inverter, Generator) eingebaut sind. Über Lastdosen werden die Kühlaggregate mit Energie versorgt. Ergänzt wird es durch ein fortschrittliches satellitengesteuertes Überwachungs- und Steuerungssystem.


Voith: Automatische Güterwagenkupplung F11

Schraubenkupplungen mit Zughaken und Seitenpuffer, die von Hand an- und abgekuppelt werden, sind im europäischen Schienengüterverkehr noch an der Tagesordnung. Eine  neue Alternative bietet diese automatisch Kupplung. Die Voith CargoFlex Typ Scharfenberg ermöglicht als erste Kupplung im Güterverkehr durch Ausrüstung mit einem automatischen Entkuppelsystem und einer Signal- oder Stromübertragung vollautomatische Funktionsabläufe sowie die elektrische Versorgung von Verbrauchern oder die Durchleitung von Signalen.


OGI AXLE: spurvariable Achsen
für Schienengüterverkehr

Um das Problem der Spurwechselpausen zwischen unterschiedlichen Eisenbahnnetzen im Güterschienenverkehr zu lösen, hat das Konsortium aus den Unternehmen Azvi, Tria, OGI sowie Adif ein automatisches spurweitenvariables System entwickelt. Es besteht aus spurweitenvariablen Achsen und einem Spurweitenwechsler. Die Prüfstands- und Streckentests für die OGI Achsen und die in den ETH-Spezifikationen vorgesehenen praktischen 100.000 km-Lauftests der Phasen I und II wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Die spurweitenvariablen OGI Achsen stehen nun vor der vorläufigen technischen Zulassung für die kommerzielle Nutzung.


Ulbrich: Entkupplungsrobote
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Das Langmachen und Entkuppeln von Schraubenkupplungen zählt nach wie vor zu den schwersten und gefährlichsten manuellen Tätigkeiten im europäischen Güterverkehr. Der Entkupplungsroboter stellt nun den ersten Schritt in Richtung Automatisierung dieser Tätigkeiten dar.
Der Entkupplungsvorgang erfolgt bei diesem Roboter an rollenden Waggons. Dabei ist es mittels Kniehebelprinzip möglich, mit zwei Seilantrieben, zuerst unterhalb der Schienenoberkante den Mechanismus auf Zuggeschwindigkeit zu beschleunigen und dann aufzurichten – bis die Kupplung aus dem Haken gehoben wird.


CAF: Virtuelle Kupplung
für Straßenbahnen

Dank dieser virtuellen Kupplung können Züge ohne physische Verbindung enger beieinander fahren. Die Abstände zwischen den Fahrzeugen werden mit Hilfe von Sensordatenfusion und den zwischen den Straßenbahnen übermittelten Informationen gesteuert. Die Lösung wurde im Rahmen der Shift2Rail-Initiative entwickelt.

Tamtron System OY: Scalex Wild System

Mit dem Scalex Wild System werden eichfähiges, dynamisches Verwiegen von Zügen und Radschadendetektion in einem System kombiniert. Das System erkennt Radschäden durch Echtzeit-Messung der zwischen den Schienen und Rädern auftretenden Kräfte. Es verwiegt zudem jede Achse, jedes Fahrgestell und jeden Waggon und erkennt Beladungsfehler. Die Messung von Radschäden ist bei Zuggeschwindigkeiten von 20 bis 250 km/h möglich, das dynamische Verwiegen bei Zuggeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h. Durch Nutzung der an den Schienenfahrzeugen angebrachten RFID-Tags kann die Reisehistorie jedes Rades kontrolliert werden. Schäden werden so bereits früh erkannt.


Unex Kabelsysteme und -elemente GmbH: Isolierendes Kabelbahn-System 66

Das Kabelbahn-System 66 ist eine isolierende Alternative für die Verkabelung im Innen- sowie Außenbereich in Infrastrukturen und Schienenfahrzeugen . Es bietet hohe Dielektrizitätsfestigkeit und gewährt Personenschutz vor Elektroschlägen durch indirekte Kontakte. Durch die Vermeidung von elektrischen Lichtbögen werden möglich Brandherde deutlich reduziert. Hinzu kommt eine Zunahme der Zuverlässigkeit bei der Datenübertragung: Fehlerströmen werden vermieden und die Kontrolle auf Erdungen erleichtet. Da es weder Kriechströme noch induzierte Ströme gibt, kommt es zu keiner vorzeitigen Korrosion.


STRAILastic: „mini-Schallschutzwand“

Schall dort bekämpfen wo er entsteht, nah an der Schiene. Die 1.800 mm breiten Schallschutzelemente werden an der Schwelle befestigt und garantieren so einen sicheren und dauerhaften Halt. Die spezielle Akustikoberfläche, ist durch eine spezielle Geometrie immer in Richtung Schall-Ereignis gerichtet, um diesen optimal aufnehmen zu können. Vorteile: Ohne Fundament einzubauen, kein Planfeststellungsverfahren nötig, näher am Schall-Ereignis als alle anderen Schallschutzwände, bruchsicher durch faserverstärkte Gummimischung mit Neugummideckschicht und

keine Materialermüdung durch Vibrationen oder Druck- und Sogkräfte


Pilz: Automatisierungslösung PSS 4000-R

Für Modernisierung der Bahninfrastruktur setzt Pilz auf offene, industrieerprobte Automatisierungstechnik. Auf der Innotrans zeigte das Unternehmen anhand von Modellen, wie Bahnübergänge oder Weichensteuerungen mit dem System PSS 4000-R automatisiert werden können. Dabei überwacht PSS 4000-R beim Bahnübergang zum Beispiel den Schrankenantrieb sowie die Endlagen der Schranken, den Freiraum zwischen den Schranken oder bei Weichen die Endlagen und Verschlüsse sowie Signale. Mittels Software-Werkzeuge kann das System konfiguriert sowei parametriert werden und eine webbasierte Visualiserung erfolgen.


Plasser & Theurer: plasser smart maintenance EMT100VT

Plassers SmartMaintenance-Initiative ist eine zentrale Plattform, die sich aus konkreten Apps mit vernetzten Cloud-Lösungen und Web-Services zusammensetzt. Im Vordergrund steht der einfache Zugang zu den relevanten Daten für die einzelne Maschine, die Flotte und die Infrastruktur. Für die Entwicklung und Erprobung von Technologiekomponenten benötigt das Unternehmen praxisnahe Testbedingungen. Der EM100VT arbeitet dabei als Trägerfahrzeug und bildet eine ideale Forschungsumgebung für innovative Technologiesprünge mit hohem Anwendungspotenzial.

nVent: Bahnschienen-Weichenheizung

Das nVent Bahnschienen-Weichenheizungs-System ist eine Lösung zum Schmelzen von Schnee und Eis auf Eisenbahnweichen, die im Winter die Gleise freihält. Dieses System verfügt über selbst-regulierende Heizkabel, die die Leistungsabgabe als Reaktion auf erfasste Temperaturänderungen an jedem Punkt entlang ihrer Länge variieren. Diese nVent-Lösung ist 30 Prozent energieeffizienter als herkömmliche Systeme.


Semperit: Elastische Gummi-Zwischenlagen

Semperit hat gemeinsam mit Partnern eine neue Generation von elastischen und geräuscharmen Zwischenlagen für die elektrische Isolierung und den Schutz des Oberbaues vor lokaler Überlast entwickelt. Geräuschmessungen auf verschiedenen Strecken haben gezeigt, dass dieses neue Produkt die Schienenlärmabstrahlung um die Hälfte (-3 Dezibel) reduzieren kann. Neben anderen kostenaufwendigen Maßnahmen haben die Eisenbahngesellschaften nun eine zusätzliche Möglichkeit zur kosteneffizienten Lärmreduktion speziell in urbanen Gebieten.


MTU: Hybrid Powerpack

Das MTU Hybrid PowerPack® wurde aus den bisherigen MTU-Unterflurantrieben weiterentwickelt. Das Hybridkonzept besteht aus einem Baukasten mit verschiedenen Antriebselementen. Die leistungsdichte elektrische Maschine ist individuell skalierbar und äußerst kompakt. Je nach Bedarf lässt sich das MTU EnergyPack (skalierbarer Energiespeicher) im Dach- oder Unterflurbereich des Triebwagens positionieren. Das ermöglicht Flexibilität Neufahrzeuge beschafft oder Bestandsfahrzeuge umrüsten werden sollen.


Betonwerk Rieder: Rieder 360° – niedrige Lärmschutzwand

Rieder 360° wurde speziell für sensible Einsatzgebiete wie Siedlungen und Kulturlandschaften entwickelt. Zentraler Vorteil gegenüber herkömmlichen Lärmschutzwänden ist die freie Rundumsicht auf Landschaft, Städte und Umgebung. Sie besitzt trotz geringerer Höhe eine sehr gute Abschirmwirkung. Für Bahnstrecken, bei denen mehrere Gleise nebeneinander laufen, führt Rieder Lärmschutz-Mittelwände im Programm, die optional mit Aufsatzelementen ergänzt werden können.


DB Netz AG: App „grüne Funktionen der Zuglaufregelung“

Die App liefert Lokführern auf ihre Tablets oder Handys Nachrichten, die sie bei der kapazitätsneutralen, energiesparenden und vorausschauenden Fahrweise unterstützen. Die Zuglaufregelungsnachrichten (ZLR) werden aus den DB Netz-Betriebszentralen über eine Schnittstelle an die DB Systel versendet. Von dort gelangt die verarbeitete ZLR-Nachricht direkt an das Triebfahrzeug-Tablet oder -Handy mit Android-Betriebssystem per Push. „ZLR Planfahren“ soll energieintensive Vorplan-Fahrten verhindern.